Glossar

Arzneimitteldokumentation

In einer für einen späteren Zeitpunkt geplanten Ausbaustufe der elektronischen Gesundheitskarte können auf freiwilliger Basis alle Medikationsdaten, Arzneimittelverordnungsdaten und Therapievorschlagsdaten für einen Patienten dokumentiert werden. Der behandelnde Arzt bzw. der Apotheker erhalten so einen Überblick über die Arzneimittel, die der Patient einnimmt. Das Risiko, dass Medikamente verschrieben oder verkauft werden, die Wechselwirkungen zu anderen eingenommenen Arzneimitteln haben, wird so verringert.

 

Arztbrief

Die elektronische Gesundheitskarte ist technisch so ausgestattet, dass sie in Zukunft den elektronischen Arztbrief unterstützen kann. Ziel ist es, den Mitbehandler zeitnäher als bisher über das Krankheitsgeschehen eines Versicherten zu informieren. Ein Beispiel ist der Krankenhausentlassbrief.

 

Datenschutz

Der Schutz vor Missbrauch bei der Verarbeitung und Speicherung von sensiblen Gesundheitsdaten hat bei der elektronischen Gesundheitskarte höchste Priorität. Der Zugriff auf sensible Gesundheitsdaten wird durch ein strenges Sicherheitssystem geschützt. Der Mikroprozessorchip verschlüsselt die Informationen, sie können nur gelesen werden, wenn der Arzt seinen Heilberufsausweis und der Patient seine elektronische Gesundheitskarte in ein Lesegerät stecken. Den Zugriff auf medizinische Daten muss der Patient zusätzlich durch Eingabe einer PIN freigeben. Keine PIN ist beim Zugriff auf die Notfalldaten erforderlich.

 

Elektronische Fallakte (eFA)

Die geplante Unterstützung der Anbindung von elektronischen Fallakten ist eine Anwendungsmöglichkeit der elektronischen Gesundheitskarte, die zu einem späteren Zeitpunkt zur Verfügung stehen soll. Sie gibt eine strukturierte Sicht auf alle Dokumente, die zu dem medizinischen Fall eines Patienten verfügbar sind. So können sich die behandelnden Ärzte stets einen aktuellen Überblick über den bisherigen Behandlungsverlauf (z.B. Arztbriefe, OP-Berichte, Verordnungen, Therapiepläne, Bilddaten) verschaffen. Das Ziel ist es, den Austausch und die Zusammenarbeit zwischen dem stationären und dem ambulanten Sektor deutlich zu verbessern.

 

Elektronische Gesundheitskarte (eGK)

Die elektronische Gesundheitskarte wird die heutige Krankenversichertenkarte ersetzen. Seit Oktober 2011 geben die Krankenkassen schrittweise die eGK mit Lichtbild an ihre Versicherten aus. Auf einem Mikroprozessorchip sind zunächst die Versichertenstammdaten gespeichert. Die Gesundheitskarte ist technisch vorbereitet, weitere Anwendungen aufzunehmen, sobald sich diese in Tests als nutzerfreundlich und sicher erwiesen haben. Geplant ist zunächst ein Online-Abgleich der Versichertenstammdaten. Ferner sollen medizinische Anwendungen, wie z.B. die Speicherung von Notfalldaten, auf freiwilliger Basis umgesetzt werden.

 

Elektronische Patientenakte (ePA)

Die ePA soll im Zuge künftiger Ausbaustufen der elektronischen Gesundheitskarte eingeführt werden. Der Patient kann entscheiden, ob er diese Möglichkeit nutzen möchte. Die ePA kann u.a. die Krankengeschichte, Laborbefunde, Operationsberichte sowie Röntgenbilder enthalten.

 

Elektronische Signatur

Eine elektronische Signatur ist die digitale Abbildung einer handschriftlichen Unterschrift. Einsatzgebiet der elektronischen Signatur ist z.B. die Kommunikation zwischen den Ärzten (Arztbrief) und die Organspendeerklärung.

 

Europäische Krankenversichertenkarte (EHIC)

Auf die Rückseite der elektronischen Gesundheitskarte kann die Europäische Krankenversicherungskarte (EHIC – European Health Insurance Card) gedruckt werden. Die EHIC berechtigt zur Inanspruchnahme von medizinischen Leistungen im europäischen Ausland. Die EHIC ist in allen 27 EU-Staaten sowie in Island, Liechtenstein, Norwegen und der Schweiz anerkannt.

 

gematik

gematik steht für „Gesellschaft für Telematikanwendungen der Gesundheitskarte mbH“. Ihre Aufgabe ist die Einführung, Pflege und Weiterentwicklung der elektronischen Gesundheitskarte. Gesellschafter der gematik sind die Bundesärztekammer, die Bundeszahnärztekammer, der Deutsche Apothekerverband, die Deutsche Krankenhausgesellschaft, der GKV Spitzenverband, die Kassenärztliche Bundesvereinigung und die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung.

 

Heilberufsausweis (HBA)

Der Heilberufsausweis ist eine Chipkarte mit elektronischer Signatur, mit dem sich Angehörige der Heilberufe (z.B. Ärzte, Zahnärzte und Apotheker) gegenüber der Telematikinfrastruktur ausweisen. Er ist Bestandteil des Sicherheitskonzeptes der elektronischen Gesundheitskarte. Ärzte, Zahnärzte und Apotheker sind verpflichtet, sich bei jedem Zugriff auf die elektronische Gesundheitskarte mit ihrem Heilberufsausweis zu authentifizieren. Ohne diese Legitimation ist es nicht möglich, medizinische Daten zu lesen oder zu speichern.

 

Kartenlesegerät

Um Zugang zu den gespeicherten Daten zu bekommen, muss die elektronische Gesundheitskarte in ein geeignetes Lesegerät eingeführt werden. Arzt- und Zahnarztpraxen sowie Krankenhäuser benötigen dazu neue Kartenlesegeräte. Diese können auch die alte Krankenversichertenkarte lesen. Die Krankenkassen zahlen Pauschalen für die Anschaffung der neuen Geräte und deren Installation.

 

Krankenversichertenkarte

Die Krankenversichertenkarte ist eine Speicherkarte, die Verwaltungsdaten des Patienten enthält. Sie soll ab Oktober 2011 schrittweise von der elektronischen Gesundheitskarte abgelöst werden. Dies erhöht die Datensicherheit: Die Krankenversichertenkarte enthält einen einfachen Speicherchip, die elektronische Gesundheitskarte hingegen ist mit einem Mikroprozessorchip ausgestattet, der die Daten verschlüsseln kann und es auch möglich macht, medizinische Daten aufzunehmen. Für eine Übergangszeit werden beide Karten gültig sein. Die Krankenkassen und Leistungserbringerorganisationen bestimmen, ab wann nur noch die neue elektronische Gesundheitskarte akzeptiert wird.

 

Notfalldaten

Notfalldaten können zu einem späteren Zeitpunkt auf freiwilliger Basis auf der elektronischen Gesundheitskarte gespeichert werden. Der Datensatz enthält zum Beispiel Informationen über Arzneimittelunverträglichkeiten, Allergien und chronische Erkrankungen. Im Notfall kann die behandelnde Person mit ihrem Heilberufsausweis auf die Daten zugreifen.

 

Online-Aktualisierung

In Zukunft soll es möglich sein, die auf der elektronischen Gesundheitskarte gespeicherten Verwaltungsdaten des Versicherten online zu aktualisieren. So muss z.B. bei einer Adressänderung keine neue Karte mehr ausgegeben werden.

 

Organspendeerklärung / Patientenverfügung

Die Gesundheitskarte ist technisch auf die Aufnahme einer Organspendeerklärung und / oder einer Patientenverfügung vorbereitet. In beiden Fällen muss sichergestellt werden, dass Versicherte jederzeit ohne Mitwirkung Dritter ihre Erklärung ändern können. Da dies noch nicht möglich ist, soll zunächst die Möglichkeit geschaffen werden, auf der elektronischen Gesundheitskarte einen Hinweis auf das Vorhandensein eines Organspendeausweises oder einer Patientenverfügung aufzunehmen. Dieser gibt an, wo diese Dokumente in Papierform hinterlegt sind.

 

PIN

PIN steht für „Persönliche Identifikationsnummer“. Entscheidet sich der Versicherte, medizinische Daten auf der elektronischen Gesundheitskarte zu speichern, muss er seine PIN eingeben, um dem Arzt den Zugriff auf die Informationen zu erlauben. Das funktioniert so ähnlich wie bei einer Bankkarte. Eine Ausnahme werden hier die Notfalldaten sein, die auch ohne Mitwirken des Patienten abrufbar sein müssen. Die Ausgabe der PIN regeln die Krankenkassen.

 

Prozessor

Die elektronische Gesundheitskarte verfügt im Gegensatz zur Krankenversichertenkarte über einen Mikroprozessorchip. Wie ein Minicomputer kann er Daten und Informationen verarbeiten. Er ermöglicht, dass zukünftig sensible Gesundheitsinformationen verschlüsselt und gegen unberechtigten Zugriff geschützt auf der Gesundheitskarte gespeichert werden können.

 

Selbstverwaltung im Gesundheitswesen

Die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) wird in Deutschland durch eigenständige Verwaltungen mit eigener Rechtspersönlichkeit umgesetzt. Nach den Grundsätzen demokratischer Selbstverwaltung erfüllen die gesetzlichen Krankenkassen und die Kassenärztlichen und Kassenzahnärztlichen Vereinigungen ihre Aufgabe der Gesundheitsversorgung der Bevölkerung. Die Selbstverwaltung hat den gesetzlichen Auftrag, die elektronische Gesundheitskarte einzuführen. Sie hat hierzu eine Gesellschaft gegründet, die gematik.

 

Telematik

Das Wort Telematik setzt sich aus „Telekommunikation“ und „Informatik“ zusammen. Alle elektronischen Datenverarbeitungssysteme, die medizinische Daten speichern und übermitteln, gehören zur Gesundheitstelematik. Auch die elektronische Gesundheitskarte ist Teil der Telematikinfrastruktur. Mit der Einführung der elektronischen Gesundheitskarte und dem Aufbau einer sicheren, einrichtungsübergreifenden Kommunikationsinfrastruktur im Gesundheitswesen wird die Grundlage für einen sicheren Austausch wichtiger medizinischer Daten geschaffen. Hierbei haben die Sicherheit der Daten und die Wahrung der informationellen Selbstbestimmung der Patientinnen und Patienten höchste Priorität.

 

Verwaltungsdaten

Die elektronische Gesundheitskarte enthält von Beginn an sogenannte „administrative Daten“, wie sie bereits auf der bisherigen Krankenversichertenkarte gespeichert sind. Dies sind Angaben zur Person wie Name, Geburtsdatum, Geschlecht und Anschrift. Darüber hinaus finden sich Angaben zur Krankenversicherung, wie die Krankenversichertennummer und der Versichertenstatus (Mitglied, Familienversicherter oder Rentner). Vorgesehen ist die Möglichkeit, künftig die Verwaltungsdaten der Versicherten online abzugleichen und ggf. zu aktualisieren.

 

Zwei-Schlüssel-Prinzip

Der Zugriff auf die medizinischen Gesundheitsdaten wird über das Zwei-Schlüssel-Prinzip geregelt. Ein Zugriff kann nur erfolgen, wenn ein elektronischer Heilberufsausweis (1. Schlüssel) sowie die persönliche Gesundheitskarte des Versicherten (2. Schlüssel) in das Kartenlesegerät geschoben werden und der Patient seine PIN eingibt. Für den Zugriff auf die Notfalldaten muss keine PIN eingegeben werden.

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Aktuelles

29.01.2016 - Peter Schaar ist Vorsitzender der Schlichtungsstelle

Die Gesellschafter der gematik haben den früheren Bundesdatenschutzbeauftragten Peter Schaar zum 1. Januar 2016 als Vorsitzenden der Schlichtungsstelle berufen. Als unparteiischer Vorsitzender der Schlichtungsstelle wird Peter Schaar die Entscheidungen über Regelungen, Aufbau und Betrieb der Telematikinfrastruktur mit voranbringen. Seine Berufung geht einher mit einer Stärkung der Schlichtungsstelle, die das im vergangenen Dezember verabschiedete E-Health-Gesetz durch die Ausdehnung des Schlichtungsverfahrens auch auf den Wirkbetrieb vorsieht

Telematikinfrastruktur:

Keine Abstriche bei Qualität und Sicherheit

27.07.2015 - Die Industrie hat der gematik Terminverzögerungen bei der Lieferung der zulassungsfähigen Produkte für die Telematikinfrastruktur (TI) gemeldet. Betroffen von den Verzögerungen sind vor allem die dezentralen Produkte der TI wie etwa der Konnektor, der in den Erprobungspraxen und -krankenhäusern die sichere Verbindung in die TI ermöglichen wird.

13.7.2015

Die Gematik sieht in ihrem Projektplan vor, dass der Online-Roll-Out bis Ende 2015 abgeschlossen sein soll.  Dr. Thomas Kriedel, Vorsitzender der Gesellschafterversammlung der gematik, sieht diesen Zeitplan kritisch aufgrund des E-Health-Gesetzes, das bestimmte Fristen und Sanktionen vorsieht. Wenn die Fristen eingehalten werden sollen, ist die Zeit zu kurz, um die medizinischen Anwendungen ausreichend zu testen. Diese Anwendungen ermöglichen den Ärzten, ihren bürokratischen Aufwand zu reduzieren.

Das Sichere Netz der KVen (SNK) wurde eingeführt, damit ihre Mitglieder ein sicheres Netz bereits jetzt nutzen können. Dieses Netz wird an die künftige TI-Infrastruktur angekoppelt, es wird niemals als separates Netz weiterlaufen.

 

Das Interview mit Dr. Thomas Kriedel, können Sie hier anschauen

Bundeskabinett beschließt den E-Health-Gesetzentwurf
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